Masthead header

5mal10

Der Raum ist absolut, unveränderlich und unbeeinflusst von den physikalischen Vorgängen, die sich in ihm abspielen.

Raum ermöglicht allen materiellen Objekten eine Ausdehnung, er selbst existiert als grundlegendes Ordnungsmodell, dies aber nur in Relation zu den Objekten.

Viele öffentliche Räume existieren in den Augen der Menschen nicht mehr als Raum, sondern nur noch als der letzte überdachte Teil eines zurückzulegenden Weges. Wir begehen sie, ohne den Raum zu beachten. Er ist uns vertraut geworden, so vertraut, dass wir nicht mehr in der Lage sind ihn exakt zu beschreiben. Wir haben den Raum aus unserer visuellen Wahrnehmung gelöscht, obwohl wir ihn im funktionalen Sinne des Auges sehen können. Der Raum wurde zu unserem Blinden Fleck – existent aber nicht wahrnehmbar.

Das Environment tendiert eher zu einer zufälligen Auswahl und Anordnung der Objekte,während es bei einer Rauminstallation auf die geplante Anordnung, die konkreten Bedeutungen der Objekte und ihre inhaltlichen Beziehungen zueinander ankommt. Das Projekt 5mal10 schafft eine Irritation, welche uns zwingt von unseren gewohnten Wegen abzuweichen, uns neue Pfade um die Irritation oder durch sie hindurch zu suchen und uns wieder aktiv mit dem Raum zu beschäftigen.

Durch 50 Säulen, 4.50 Meter hoch und 30 Zentimeter im Durchmesser wird diese Irritation geschaffen. In einem strengen Raster von 5 mal 10 Säulen aufgestellt bilden sie das Hindernis, das es zu bewältigen gilt. Ein Abstand von 30 bis 60 Zentimetern zwischen den Säulen erlaubt es dem Projekt 5mal10 nicht als massive Wand zu wirken, sondern auch eine Möglichkeit zum Durchschreiten zu sein. Eine Irritation die uns einen veränderten Weg zum Ziel bietet.

Bei einem Gewicht von nur 7.5 Kilogramm pro Säule wird es bei dieser Penetration zu einer Verschiebung des Rasters kommen, so dass sich im Laufe der Zeit neue Wege, Verdichtungen und Streuungen abzeichnen. Wodurch die gesuchten Wege ablesbar werden. Diese Veränderung wird, gleich dem Schaffensprozess des Projektes 5mal10, durch Fotografien im Stile einer Stop-Motion dokumentiert und filmisch aufbereitet. Durch die Projektion dieser Sequenzen auf die Säulen, zeigt das Projekt 5mal10 nicht nur seinen aktuellen Ist-Zustand, sondern dient auch gleichzeitig als Projektionsfläche für seine Entstehung und erzählt die Geschichte seiner Veränderung.

Die Installation kann als Experiment betrachtet werden, durch welches die Wahrnehmung des Betrachters , der ohnehin beim Durchschreiten Teil des Experiments wird, verändert werden kann. Andererseits verändert der Betrachter das Werk zumindest marginal beim Durchschreiten, wodurch er auf der Grenze zwischen Rezipient und Künstler wandelt, denn das Ergebnis seiner Veränderung bleibt existent und durch den nächsten Betrachter eventuell wiederum verändert. Dies verweist auf die Kurzlebigkeit von Kunst und dem Einfluss des Individuums auf seine eigene Umwelt und hinterfragt ebenso die Rezeption eines Werkes.

5mal10 ist beständig im Fluss und sogar am jetzigen Aufstellort mobil, das nicht nur durch die individuelle Perspektive, sondern ebenso durch die stetige Veränderung anders wahrgenommen wird bzw. werden sollte.

Ziel des Projektes 5mal10 ist es, eine pneumatische, raumbildende Struktur zu verwirklichen, die aus Erzeugnissen der industriellen Massenproduktion besteht und so kostengünstig realisierbar ist.

Der soziologische Bezug, durch die Verwendung alltäglicher Gegenstände, die innerhalb des Werkes umgedeutet und ihrer eigentlichen Funktion beraubt werden, um ihnen eine weitere Dimension hinzuzufügen (Neo-Dada), hinterfragt die erlernten ästhetischen Maßstäbe.

Kunst muss aus Ölfarben auf Leinwand entstehen.

Als Säule dient ein Kunstdarm aus Low-Density-Poly-Ethylen mit einer weiß-transluzenten Materialität. Dieser hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und ist an den Enden verklebt oder wird mit einem Klemmmechanismus nach dem Prinzip einer Kederschiene luftdicht verschlossen. Schraderventile aus dem Autozubehör in Kombination mit Messingösen aus dem Segelbedarf und Flachgummischeiben ermöglichen es die Säule mit Druckluft zu füllen, ohne dabei auf komplizierte oder kostspielige Sonderanfertigungen zurückgreifen zu müssen. Als Sockel für die Säulen können Papierkörbe, die eine ähnliche Farbigkeit wie der Kunstdarm aufweisen, verwendet und mit 5 Kilo Beton gefüllt werden, um das nötige Gegengewicht zum Hebelarm der 4.50 Meter hohen Säulen zu bieten. Durch die Wahl dieser Materialien ist es gelungen den Kostenaufwand für das Projekt 5mal10 sehr gering zu halten.

Durch die geometrische Aufstellung wird das Werk rhythmisiert. Der Rhythmus wird nach und nach durch das Durchschreiten aus dem Takt gebracht und kann zunehmend verstören. Er gibt dem Aufstellort ein Metrum und bringt somit die Zeit als vierte Dimension in den dreidimensionalen Raum: selbst beim Vorbeigehen am Werk.

Durch die bekannten Ausmaße der Installation wird der Aufstellort „messbarer“, da die Kantenlängen der Installation als Maß beim Abschätzen des Raumes dient. Auf der einen Seite ist hiermit die Wahrnehmung des bekannten Raumes gestört, auf der anderen Seite wird sie neu erfahrbar. Dennoch entzieht sich die Installation einer deutlichen Messbarkeit, da sie je nach Perspektive nahezu transparent oder aber als hohe Wand oder Quader wahrgenommen werden kann.

Facebook|Twitter|Pinterest|Link|eMail